Krisenvorbereitung: Umgang mit Amokläufen

Unter dem Leitsatz “Run, Hide, Fight” erklärt dieses Video die Grundsätze individueller Bewältigung von Amokläufen für unbewaffnete Personen:

Die angewendeten Prinzipien sind auch auf andere Situationen übertragbar, etwa terroristische Angriffe nach dem Vorbild von Mumbai 2008.

Da von einer Tötungsabsicht des oder der bewaffneten Täter auszugehen ist, sind unbewaffnete Personen grundsätzlich im Nachteil, weshalb der Schwerpunkt des eigenen Vorgehens im Ausweichen liegen sollte. Je größer die Distanz zwischen sich selbst und dem Angreifer ist (etwa nach Flucht aus dem Gebäude), je weniger man für den Angreifer sichtbar ist (etwa im Versteck) und je schwieriger die Distanz für ihn zu überwinden ist (etwa wegen verbarrikadierter Türen), desto sicherer ist man. Die Lehrerin Kaitlin Roig hat hier beim aktuellen Fall in den USA alles richtig gemacht, wobei diese Bewertung durch jemanden, der nicht dabei war, immer etwas anmaßend ist.

Wie Übungen zeigen, kann im äußersten Fall erforderlicher Widerstand gegen einzuelne Amokläufer Aussicht auf Erfolg haben, insbesondere wenn man ein Überraschungsmoment erzeugen kann und wenn der Angreifer eine Langwaffe verwendet. Auf engem Raum und gegen mehrere für den Angreifer überraschend auftretende Personen, welche die Distanz zum Angreifer rasch überwinden, ist der Angreifer mit Langwaffe deutlich im Nachteil. Die Waffe ist auf kürzeste Distanzen weitgehend nutzlos und behindert ihn sogar im Nahkampf. Bei entschlossenem Widerstand ist das Risiko für die Widerstand leistenden Personen zwar immer noch hoch, da diese ja zunächst eine gewisse Distanz überwinden müssen, aber meist geringer als Risiken in Folge von Passivität.

Das eigene Risiko betrachten einige Menschen zudem als nachrangig, etwa einige Lehrer, welche ihre Pflicht zur Verteidigung ihrer Schüler auch unter Aufgabe des eigenen Lebens wahrzunehmen bereit sind. Obwohl moderne Gesellschaften sich als postheroisch verstehen und auf der Maximierung von individuellen Eigennutz beruhen, gibt es auch in Deutschland noch viele antimoderne und heroische Menschen, von denen man leider häufig nicht einmal den Namen erfährt. Ob man selbst dazugehört, wird man erst wissen, wenn man unter ähnlichen Bedingungen handeln muß.

Fehlgeleitet ist hingegen die jetzt wieder auch in Deutschland aufkommende Diskussion, die Waffen zum Problem erklärt und nicht die sie mißbräuchlich verwendeten Menschen. In den Händen der richtigen Personen (dazu gehören auch viele Bürger) können Waffen ein Gewinn für eine Gesellschaft sein. Dies zeigt die friedliche Schweiz, wo privater Waffenbesitz häufig sogar militärische Waffen mit einschließt, was Teil der dortigen Kultur der Wehrhaftigkeit ist, die dem Land über lange Zeit gute Dienste geleistet hat.

Umgekehrt konnten Waffengesetze den letzten Amoklauf in den USA nicht verhindern, wo der Amokläufer mindestens drei dieser Gesetze gebrochen hat. Zusätzliche Gesetze hätten an seiner Tötungsabsicht und seiner Motivation, sich illegal Waffen zu verschaffen, wohl nichts geändert. Dies gilt für Kriminelle weltweit: In Frankreich, wo es ein restriktives Waffengesetz gibt, können sich arabische Banden illegal militärische Sturmgewehre beschaffen, während der Bürger unbewaffnet bleiben muß. Eines der strengsten Waffengesetze der Welt hat Mexiko, wo vergangenes Jahr mehr Menschen durch illegal bewaffnete Banden getötet wurden als in vielen Kriegsgebieten.

Wer auf politischer Ebene etwas für die öffentliche Sicherheit tun will, müßte stärker gegen illegale Waffenbesitzer vorgehen, die in Deutschland für fast alle mit Schußwaffen verübten Straftaten verantwortlich sind. Auch Amokläufe wie der von Winnenden oder der von Erfurt wurden mit illegal erlangten Waffen verübt.

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7 Antworten zu Krisenvorbereitung: Umgang mit Amokläufen

  1. agentjoerg schreibt:

    Fehlgeleitet ist hingegen die jetzt wieder auch in Deutschland aufkommende Diskussion, die Waffen zum Problem erklärt und nicht die sie mißbräuchlich verwendeten Menschen. In den Händen der richtigen Personen (dazu gehören auch viele Bürger) können Waffen ein Gewinn für eine Gesellschaft sein.

    http://ef-magazin.de/2012/12/18/3912-das-verbrechen-von-newtown-was-solche-taten-verhindert-und-was-nicht

    Bei der Tat von Grundy, Virginia, aus dem Jahr 2002 waren nur drei Tote zu beklagen. Zwei Studenten der Appalachian Law School schafften es, den Täter zu entwaffnen. Das Bemerkenswerte war die Berichterstattung in nahezu allen Medien: Kaum ein Journalist erwähnte, dass die beiden Studenten Schlimmeres verhüten konnten, weil sie bewaffnet waren — und somit gegen besagtes Gesetz verstießen.

    „Der einzige regulatorische Faktor, der einen gleichbleibenden signifikanten Einfluss auf öffentliche Massaker hat, ist die Verabschiedung von Gesetzen zum verdeckten Führen von Waffen.“ Mit anderen Worten: Was Amokläufer abschreckt, sind nicht Gesetze, die sie vermeintlich entwaffnen sollen; es sind im Gegenteil Gesetze, die sie dem Risiko aussetzen, auf bewaffnete vermeintliche Opfer zu treffen.

    Doch Schusswaffen sind, wie die Erfahrungen aus dem Vereinigten Königreich zeigen, durch Verbote nicht aus der Welt zu schaffen; sie sind danach nur für gesetzestreue Bürger unerreichbar.

    Auch in Israel waren nach dem Ma’alot-Massaker Stimmen zu hören, die strengere Waffengesetze forderten. Doch die Politik dort sprang über ihren Schatten und liberalisierte die Gesetze stattdessen, Lehrer und andere Erwachsene dürfen seitdem auch in Schulen Waffen führen. Wie sich zeigte, wird der Spuk beendet, wenn man die Täter dem Risiko aussetzt, auf bewaffnete Opfer zu treffen.

  2. quer schreibt:

    @Maecella,
    Sie stellen Dummheit und Gefährlichkeit von Menschen in den Zusammenhang von Waffenbesitz.
    Da Sie in Deutschland praktisch nur unter zwei Bedingungen an Waffen gelangen können (Schützenverein, Jagdschein), in Österreich und der Schweiz dagegen wesentlich unkomplizierter, müßten demzufolge in A und CH die Dummen und Gefährlichen weit mehr verbreitet sein, als in D.

    In der Summe aller bekannter Amokläufe der drei Länder nimmt aber D einen Spitzenplatz ein. Wie erklären Sie das?

  3. @Wifman
    Die kriminalitätsverringende Wirkung liberaler Waffengesetze ist zumindest in den USA nachweisbar, wenn diese Gesetze so liberal sind, daß sie jedem nichtkriminellen Bürger das verdeckte Führen von Schußwaffen erlauben. Unter diesen Bedingungen sei Chancengleichheit zwischen Bürger und Kriminellem hergestellt, was den Anreiz für Kriminalität reduziere: http://www.press.uchicago.edu/Misc/Chicago/493636.html

  4. Marcella schreibt:

    Leider sind Menschen nunmal dumm und damit auch gefährlich. Also warum Waffen in die Welt streuen, die eine mäßige Gefahr zu einer enormen machen.

  5. quer schreibt:

    “……..die friedliche Schweiz, wo privater Waffenbesitz häufig sogar militärische Waffen mit einschließt, was Teil der dortigen Kultur der Wehrhaftigkeit ist,….”

    @Ernstfall,
    das ist nur ein Teil der Wahrheit. Seit ca. 2000 wurde auch in der CH das Waffenrecht verschärft. Bis dahin war es in einigen Kantonen den Bürgern gestattet, nicht nur eine Waffe zu besitzen, sondern sie (Pistole z.B.) auch in der Öffentlichkeit zu führen. Das ist nun vorbei.

    Seither haben Überfälle Krimineller mit Waffengewalt signifikant zugenommen. Dies wird entgegen der Polizeistatistik von politisch interessierten Kreisen systematisch ausgeblendet und bestritten. Ganz anders verhält es sich mit Einbrüchen. Hier wird so mancher “Ortsunkundige” mit einer Waffe konfrontiert, die auch benutzt wird. Dieses Feld der Kriminalität hält sich durchaus in Grenzen.

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